FORL (Resorptive Läsionen) bei Katzen: Der unsichtbare Zahnschmerz
Hattest du schon einmal Zahnschmerzen? Dann weißt du, wie raubend dieser Schmerz sein kann. Bei unseren Katzen ist das leider nicht anders – mit einem entscheidenden Unterschied: Katzen leiden leise.
Die mit Abstand häufigste und schmerzhafteste Zahnerkrankung bei Katzen wurde früher als FORL bezeichnet. Heute sprechen wir in der Tiermedizin von Resorptive Läsionen (RL). Über 70 % aller Katzen entwickeln im Laufe ihres Lebens diese Erkrankung.
In diesem Artikel erklären wir dir genau, was im Maul deiner Katze passiert, warum normales Hinsehen nicht reicht und wie wir den Schmerz stoppen können.
Was genau ist FORL / RL? (Und warum es KEIN Karies ist)
Früher wurde RL fälschlicherweise oft als „Katzenkaries“ bezeichnet. Das ist medizinisch jedoch falsch:
Karies entsteht durch Bakterien, die den Zahnschmelz von außen zersetzen.
Resorptive Läsionen (RL) entstehen von innen heraus durch körpereigene Zellen (sogenannte Odontoklasten). Diese Zellen fangen plötzlich an, die gesunde Wurzel- und Zahnsubstanz aufzulösen und durch knochenähnliches Gewebe zu ersetzen.
Die Ursache? Ist bis heute wissenschaftlich unbekannt! Es liegt weder an schlechter Zahnpflege noch am Futter (egal ob Nass- oder Trockenfutter).
Die 3 Typen von RL – Warum Röntgen lebenswichtig ist
Man unterscheidet bei der Erkrankung verschiedene Typen, die nur über ein digitales Dentalröntgen sichtbar gemacht werden können:
Typ 1: Der Zahnhalteapparat ist noch intakt, aber der Zahn löst sich unter Entzündungserscheinungen auf.
Typ 2: Die Zahnwurzel verwächst fest mit dem Kieferknochen (Ankylose) und wird langsam in Knochen umgebaut.
Typ 3 (Mischtyp): An einem einzigen Zahn treten sowohl Typ 1 als auch Typ 2 gleichzeitig auf.
⚠️ Das Tückische: Die Erkrankung beginnt tief im Kieferknochen an den Zahnwurzeln. Wenn man von außen ein Loch im Zahn sieht oder das Zahnfleisch wuchert, ist das Gewebe oft schon bis zum Zahnnerv (Pulpa) zerstört. Das verursacht hölliche Schmerzen! Im Endstadium kann die Krone des Zahnes sogar einfach abbrechen.
Warum „einfach Reingucken“ beim Tierarzt nicht reicht
Viele Besitzer fragen uns: „Sieht man das nicht beim normalen Gesundheitscheck?“ Die klare Antwort lautet: Nein!
Beim wachen Tier kann man nur die Zahnkronen beurteilen. Über 50 % der Schäden liegen jedoch unsichtbar unter dem Zahnfleisch. Ohne ein regionales Dentalröntgen in Narkose ist eine sichere Diagnose bei RL absolut unmöglich. Oft wird auch der schmerzhafte Schaden von dem Zahnstein verdeckt, weshalb vor der Beurteilung dieser unter Narkose entfernt werden muss.
Wie wird RL behandelt?
Wenn ein Zahn von RL betroffen ist und Schmerzen oder Entzündungen verursacht, gibt es nur eine nachhaltige Lösung: Der Zahn muss chirurgisch versorgt werden.
Extraktion (Zahnentfernung): Der Zahn wird komplett mit Wurzel entfernt.
Kronenamputation: Bei Typ 2 (wenn die Wurzel bereits komplett mit dem Knochen verschmolzen ist und keine Entzündung vorliegt) kann in Spezialfällen nur die Krone entfernt und das Zahnfleisch vernäht werden.
Kein Ausbohren! Das Ausbohren oder „Atomisieren“ von tief sitzenden Wurzelresten ist gefährlich, da Nerven und Kieferknochen beschädigt werden können. Lässt sich eine Wurzel nicht entfernen, wird die Stelle versorgt und genau dokumentiert.
Keine Füllungen: Zahnfüllungen halten bei Katzen mit RL nicht und haben sich in der Tiermedizin nicht bewährt.
Keine Sorge: Katzen kommen ohne Zähne wunderbar zurecht! Selbst Nass- und Trockenfutter können nach der Abheilung wieder problemlos gefressen werden. Das Wichtigste ist, dass die Katze endlich wieder schmerzfrei ist.
Hast du das Gefühl, deine Katze frisst komisch, speichelt oder zieht sich zurück? Vereinbare einen Termin für einen Zahn-Check bei uns in der Praxis!

